Warum Gebet wirkt

Eine zentrale Frage, die sich bei jedem Bittgebet stellt, lautet: „Wenn Gott doch allmächtig und gut ist, was soll ich mich dann groß im Gebet abmühen? Sollte Gott sein gutes Tun etwa von meinem Beten abhängig machen? Unterlässt es Gott etwa, seinen guten Willen für einen Menschen Wirklichkeit werden zu lassen, bloß weil ich nicht bete?“

Eine ganze Reihe von geistliche Autoren setzen sich mit dieser Frage auseinander – und landen immer wieder beim Schöpfungsauftrag, in dem Gott uns Menschen den Auftrag gibt, die Erde „zu bebauen und zu bewahren“ (1. Mose 2,15). Gott hat mit Blick auf seine Schöpfung von Anfang an beschlossen, uns zu beteiligen, an dem, was hier auf Erden passiert. Aus diesem Grund müssen wir säen, ackern, ernten, Häuser bauen, Schulwesen organisieren, und vieles mehr. Gott wäre in der Lage, all dies für uns zu tun. Aber er tritt einen Teil seiner eigenen Kreativität, Verantwortung und Schöpferkraft an uns ab. Er erschafft uns „zu seinem Bilde“ und legt etwas von seiner göttlichen Würde und von seinen göttlichen Möglichkeiten in unsere zerbrechlichen Hände. Blaise Pascal spricht hier von der „Würde der Ursächlichkeit“: Gott hat uns Menschen die Möglichkeit geschenkt, Dinge initiieren zu können – und damit aber natürlich auch, Dinge unterlassen zu können. Und das gilt nicht nur im Blick auf die sichtbare Welt, sondern auch im Blick auf die unsichtbare Welt. Wenn Gott uns den Auftrag gibt, die Erde „zu bebauen und zu bewahren“, meint er damit nicht nur den Bereich der Landwirtschaft, des Hausbaus oder der Medizin, sondern auch den Bereich des Gebets.


C. S. Lewis schreibt: „Daß mein Gebet den Lauf der Ereignisse beeinflussen soll, ist eigentlich nicht befremdlicher – und auch nicht weniger befremdlich -, als daß es meine übrigen Handlungen tun. (…) Nichts scheint Gott selbst zu tun, was Er irgendwie seinen Geschöpfen übertragen kann. Er befiehlt uns vielmehr, langsam und stümperhaft zu tun, was Er vollkommen und im Augenblick tun könnte. Er läßt es zu, daß wir versagen oder daß wir versäumen, was er von uns erwartet. (…) Wir sind nicht bloße Empfänger oder Zuschauer; wir genießen das Vorrecht, im Spiel mitzutun, oder sind gezwungen, an der Arbeit mitzuwirken.“ (C.S. Lewis: Von der Wirksamkeit des Betens, in: Die letzte Nacht der Welt, Basel 1995, S.10f.)