Hörend beten

Das hörende Gebet ist mit dem kontemplativen Gebet verwandt. Denn auch hier geht es darum, dass wir zu Beginn alle inneren Dialoge, Anspannungen und Wünsche zum Schweigen bringen. Diesmal mit dem Ziel, Gottes Reden zu hören. Und er spricht auf unzählige Arten: durch die Bibel, seine Schöpfung, den Rat von anderen, innere Eindrücke und Bilder, eine leise, innere Stimme und noch durch viele andere Dinge.

Dabei gilt: Gott ist (in aller Regel) viel mehr daran interessiert zu uns zu sprechen, als wir es sind, ihn zu hören. Das liegt zum einen sicher daran, dass viele von uns eher ungeübt und unsicher darin sind, auf Gottes Stimme zu hören (und Bereiche, in denen wir unsicher sind, meiden wir gerne). Das liegt aber wohl auch daran, dass wir ahnen, dass Gott mit uns bisweilen auch über Bereiche und Themen sprechen will, die wir lieber nicht ansprechen würden.


Mit Blick auf das zweite Problem gilt: Wenn Gott Unangenehmes anspricht, dann um uns von etwas zu befreien, das uns und anderen Menschen schadet. Gottes Reden an uns dient unserer Freiheit und ist immer von seiner tiefen Liebe und Fürsorge motiviert. Mit Blick auf das erste Problem gilt: Gott zuhören und auf sein Reden zu warten, kann man lernen – genauso wie Fahrradfahren oder Kochen.


Einfach zehn bis fünfzehn Minuten Stille suchen (in der Wohnung oder draußen in der Natur), innerlich still werden und dann Gott bitten: „Rede du jetzt zu mir.“ Dann innerlich schweigen und dabei auf Bilder und Gedanken achten, die kommen. Oder Bibel lesen mit der Bereitschaft, sich darin von Gott ansprechen lassen. Oder in der Natur spazieren gehen mit einem wachen Blick für das, was Gott zeigen will. Wenn es (zu) mühsam und verunsichernd ist, das alleine zu tun, hilft zum Start auch ein Seminar zum Thema „Gottes Stimme hören“, in dem man in Gemeinschaft und unter Anleitung lernt, auf Gott zu hören.