Ausdauernd beten

Wenn Gott ein Gebet von uns nicht erhört, dann gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder unser Gebet entsprach nicht Gottes Willen. Oder aber: Das Gebet entspricht sehr wohl Gottes Willen – es braucht allerdings noch Zeit und (weiteres) Gebet, bis es zu seinem Ziel kommt.

Im Lukasevangelium, Kapitel 18, führt der Evangelist Lukas ein Gleichnis Jesu mit folgenden Worten ein: „Jesus wollte seinen Jüngern zeigen, dass sie unablässig beten sollten, ohne sich entmutigen zu lassen. Deshalb erzählte er ihnen folgendes Gleichnis.“ (Lk 18,1). Im daraufhin folgenden Gleichnis erzählt Jesus von einer Witwe, die über eine lange Zeit wieder und wieder mit ihrer Klage vor dem für sie zuständigen Richter auftaucht: so lange, bis dieser irgendwann entnervt der Witwe Recht spricht. „Lange Zeit wollte der Richter nicht darauf eingehen, doch dann sagte er sich: ›Ich fürchte Gott zwar nicht, und was die Menschen denken, ist mir gleichgültig; aber diese Witwe wird mir so lästig, dass ich ihr zu ihrem Recht verhelfen will. Sonst bringt sie mich mit ihrem ständigen Kommen noch zur Verzweiflung.‹« (Lk 18,4f.)


Eine zentrale Pointe des Gleichnisses lautet also: Mit einem kurzen Gebet alleine ist es oftmals nicht getan. Beten heißt häufig dicke Bretter bohren. Einen langen Atem haben. Hartnäckig sein. Gott in den Ohren liegen. Nicht lockerlassen. So lange immer wieder bei Gott aufkreuzen, bis er das Gebet erhört.


Wenn wir Gebetsanliegen auf dem Herzen haben, bei denen wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können, dass sie Gottes Willen entsprechen, dann sollten wir uns durch ausbleibende Gebetserhörung also nicht entmutigen, sondern anspornen lassen. Dann sollten wir Wege suchen, wie wir diese Gebetsanliegen über Wochen und Monate hinweg regelmäßig vor Gott bringen, um dann schließlich – wenn die Zeit reif ist – zu erleben, wie Gott diesen Anliegen zum Durchbruch verhilft.